Bierstrafen
Unter Bierstrafen steht man eine Bestrafung eines Mitgliedes der Kneiptafel bei Verstößen gegen den Comment. Es gibt klassisch drei Stufen von Bierstrafen:
Löffel (sich löffeln)
Kanne (jdn. in die Kanne Schicken)
Bierverschiss
Als dritte Bierstrafe hat die TV Grafia im Comment den Verachtungsschluck. Dafür ist de Bierverschiss gänzlich unbekannt. Alle Bierstrafen können nur mit commentgemäßem Stoff erfolgen. Stoffpumpen ist nicht erlaubt. Commentgemäßer Stoff ist in der Regel Bier.

Wenn unter Korporierten eine Meinungsverschiedenheit herrscht, insbesondere als Folge von Beleidigungen, kann man, um diesen durch ein "Gottesurteil" aus der Welt zu schaffen einen Bierjungen ausfechten. Der Bierstreit ist eine Parodie auf die studentische Mensur und fällt eigentlich nicht unter die Bierstrafen, die ja nur bei Verstößen gegen den Comment verhängt werden.

Grundsätzlich gilt: Kann oder will man keinen Bier trinken, so meldet man sich „bierkrank“.


Bierkrank
Jemand der auf oder nach einer Kneipe oder einem Kommers keinen Alkohol mehr trinken kann (vorzugsweise der Fahrer) oder will (auch das gehört dazu, die Form und damit den Comment zu wahren), kann sich zu Beginn der Kneipe für bierkrank erklären. Es ist ihm danach für den gesamten Rest des Abends nicht mehr erlaubt, Bier oder Alkohol irgendeiner Art zu sich zu nehmen. Sollte er dennoch Verstöße gegen den Comment begehen, kann er nur mit Mineralwasser, oder einem ähnlichen Stoff, nicht mehr aber mit Bier in die Kanne geschickt werden.

Der Kneipnamen des bierkranken Bundesbruders wurde bei vielen Verbindungen mit Kreide als BK = bierkrank an die BK/BV-Tafel angeschrieben. Führ ein BB in den Bierverschiss, so wurde er mit „BV“ auf der Tafel abgekreidet.
Zum Zeichen seiner „Bierkrankheit“ stand vor ihm sein leerer Bierkrug, über den quer ein angebrannter „Fidibus“ lag (ein Fidibus ist ein Strohhalm oder Holzspieß, mit dem damals Zigarren, speziell Virginias, angezündet wurden).

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Löffeln

Das "Löffeln", das Trinken im Sinne einer Entschuldigung, kann bei Commentverstößen oder sonstigem Fehlverhalten freiwillig geschehen. Hierbei begibt sich der Sich-Löffelnde ad pedale, spricht die Worte „Ich löffel mich!“ und trinkt soviel ihm adäquat erscheint. Aufforderungen zum „Löffeln” machen eigentlich keinen Sinn, da sie dem freiwilligen Charakter des „Löffelns” widersprechen. Bei der TV Grafia ist es aber durchaus üblich, das die Corona oder der X einen zu bestrafenden BSBB mit den Worten „N. löffelt sich!“ in die Kanne schickt.

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In die Kannen schicken

Für die Sanktionierung von Verstößen gegen den Comment kann eine Bierstrafe, eine sogenannte Kanne verhängt werden. Der Delinquent muss ein Gemäß, in der Regel 0,3 l Bier, leeren, um seinen Verstoß gegen den Comment zu kompensieren. Eine Kanne kann jederzeit von einem couleurälteren Bundesbruder, einer Charge, einem Präsiden (in einem Bierstreit oder auf einer Kneipe) verhängt werden ("Kannenverteiler"). Die Forderung nach einer Begründung ist erst dann statthaft, wenn die Kanne getrunken wurde.

Das „in die Kanne steigen lassen“ geschieht mit den Worten: „N.stärkt sich! oder „N., in die Kanne (fahr hinein, trink ex pleno)!“ Der Genannte hat sich sofort und ohne Widerrede ad pedale zu erheben, seine Mütze abzunehmen und so lange zu trinken, bis der X sagt: „Satis“ oder „Geschenkt!“. Der "Kannenverteiler" kann durch ein "Satis" zum Ausdruck bringen, dass der Verstoß genügend geahndet wurde und es nicht erforderlich ist, das Gemäß ad profundum zu leeren. Bleibt das Satis aus, so wird das Gemäß geleert. Der Kannenschicker muss für das Gemäß sorgen, d.h. er muss es holen und bezahlen.
Das „in die Kanne schicken” kann auf Kneipen in mehreren Instanzen geschehen:
• normal: stehend
• 1. Etage: auf dem Stuhl stehend
• 2. Etage: auf dem Tisch stehend
• 3. Etage: auf einem Stuhl auf dem Tisch stehend
Sollte eine Kanne ungerechtfertigt gewesen sein, was sich (s.o.) natürlich erst nach dem Trinken herausstellt, kann man sich nur dagegen wehren, indem man sich an einen BB wendet, der wiederum couleurälter als der ursprüngliche Kannenschicker ist. Dieser kann, wenn die Argumentation des Geahndeten schlüssig ist, den Kannenschicker seinerseits in die Kanne schicken.

Ausnahmen: Der eigene Biervater, aktuelle Chargen und Conchargen können nie in die Kanne geschickt werden. Ebenso kann niemals ein Aktiver einen AH in die Kanne schicken, selbst wenn dieser couleurälter als der AH sein sollte. Der Präside kann allerdings, um die Ordnung während eines Bierstreits oder eine Kneipe aufrechtzuerhalten, jeden Anwesenden für Fehltritte belangen. Man kann nicht freiwillig in die Kanne steigen.

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Verachtungsschluck

Bei grobem Verstoß gegen den Convent kann ein jeder aus der Corona einen Verachtungsschluck aussprechen, wenn er dafür seine ganze Gruppe gewinnt (Fuxia, Burschia, Cargen, AHV). Die Gruppe steht geschlossen auf, dreht sich mit dem Rücken zum Betroffenen, legt die linke Hand in den Nacken und trinkt den Verachtungsschluk. Danach sagen alle geschlossen “Pfui Teufel!”. Eine Begründung für diese Handlung folgt direkt nach dem Aussprechen des Verachtungsschluckes.

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Der Bierverschiss (BV)

Mit dem Bierverschiss wird einem Mitglied der Kneiptafel die Bierehre und alle mit ihr verknüpften Rechte abgesprochen. Das ist eine sehr ernsthafte und schwere Strafe, zum Beispiel bei ständigem Stören beim Kommers oder der Kneipe, bei Ungehorsam gegen das Präsidium oder bei ungebührlichem Benehmen. Es gibt einen einfachen, doppelten und dreifachen BV.
Es ist das Recht eines jeden bierehrlichen Burschen, durch das Präsidium jedes Mitglied der Kneiptafel in den BV zu schicken.
Der BV wird durchs Präsidium verhängt mit den Worten:
Präsidium: „Silentium! N. N. befindet ist im 1., 2. oder 3. BV. Ein bierehrlicher Fuchs kreide ihn an. Silentium ex."
Das Ankreiden hat ein Fuchs zu besorgen. Wird kein Fuchs ernannt, und zeigen sich die Füchse lässig im Ankreiden, so fahren sie alle mitsamt dem FM in den BV, und ein bierehrlicher Jungbursche hat sie anzukreiden.
Der Bierschisser muss sich aus dem BV wieder herauspauken. Das kann sofort geschehen; tut er es binnen 5 Bierminuten nicht, so fliegt er in den doppelten und schließlich dreifachen BV. Paukt er sich aus diesem nicht innerhalb von 5 Bierminuten heraus, so muss er innerhalb von 10 Bierminuten die Kneipe verlassen und wird besonders zur Rechenschaft gezogen.

In einfachen BV fährt:
1 Wer in grober Weise Stoff vergeudet.
2 Wer sich gegen Anordnungen des Präsidiums auflehnt oder eine von ihm diktierte Strafe nicht annimmt.
3 Wer mit Bierschissern in irgendwelche Art zusammenarbeitet.
4 Wer ein vorgetrunkenes Quantum nicht annimmt, oder nach dreimaligem Treten nicht nachkommt.
5 Wer auf das übliche Kommando nicht in die Kanne steigt.
6 Wer das, was er einem anderen nachkommt, zugleich einem Dritten vorkommt.
7 Wer einen Bierjungen nicht innerhalb von 5 Bierminuten auspaukt.
8 Wer einen Bierkranken beleidigt, ohne diese Beleidigung sofort zurück zu nehmen.
9 Der Fuchs, der „Silentium“ gebietet.
10 Wer einen anderen ohne Grund spinnen lässt.
11 Der Fuchs, der einen Burschen tritt.

In doppelten BV fährt:
1 Wer sich nicht binnen 5 Bierminuten aus dem einfachen BV auspaukt.
2 Jeder Bierschisser, der sich eine Handlung zuschulden kommen lässt, die den einfachen BV nach sich zieht.
3 Wer vom Biergericht dazu verdonnert wird.

In dreifachen BV fährt:
1 Wer sich nicht innerhalb von 5 Bierminuten aus dem doppelten BV auspaukt.
2 Jeder, der sich im doppelten BV befindet und sich eine Handlung zuschulden kommen lasst, die den einfachen BV nach sich zieht.
3 Wer vom Biergericht dazu verdonnert wird.

Das Herauspauken geschieht auf folgende Art:
Der Bierschisser bittet einen bierehrlichen Burschen, zu vermelden, dass er sich aus dem BV herauspauken will. Dieser Herauspauker meldet das dem Präsidium, welches ankündigt:
Präsidium: „Silentium! Der Bierschisser N. N. will sich aus dem BV herauspauken. Wer paukt mit?" (es melden sich mehrere bierehrliche Burschen)
Der Bierschisser, der Herauspauker und die Mitpauker besorgen sich je ein volles Glas Bier.
Herauspauker: „Wer ist Bierschisser?"
Korona: „N. N. ist Bierschisser"
Herauspauker: „Was ist N, N.?"
Korona: „Bierschisser!"
Herauspauker: „Ergreift die Gläser! Setzt an! Los!"
Der Bierschisser trinkt sein Quantum leer, die Mitpauker nur einen Schluck.

Wenn N. N. aus dem doppelten oder dreifachen BV herausgepaukt werden muss, dann wird nur das Glas des Bierschissers erneut gefüllt und der Herauspauker beginnt wieder:
Herauspauker: „Wer ist Bierschisser?" usw.,
das geht so oft, bis der Bierschisser auch wieder aus dem einfachen BV herausgepaukt ist.

Herauspauker: „Wer ist wieder bierehrlich?"
Korona: „N. N. ist wieder bierehrlich"
Herauspauker: „Was ist N. N."
Korona: „bierehrlich!"
Dann folgt das Lied: „Solche Brüder müssen wir haben, die versaufen, was sie haben: Strumpf und Schuh, Strumpf und Schuh, laufen dem Teufel barfuss zu! Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch rein, heute muss alles versoffen sein!"
Nun verkündet das Präsidium:
„Silentium! N. N. ist wieder bierehrlich! Ein bierehrlicher Fuchs kreide ihn aus!"
Eine Berufung wegen einer etwa unrechtmäßigen BV-Erklärung kann immer erst nach geschehenem Herauspauken erfolgen.

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Der Bierjunge
Mit dem Zuruf „Du Bierjunge“ wird ein Mitglied der Kneiptafel zwar etwas herabwürdigend, aber nicht verletzend getadelt. Eine solche Rüge erfolgt zum Beispiel wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Inkompetenz, Unsachlichkeit, Unwissenheit, falscher Bemerkungen oder Behauptungen ö. ä. an der Kneiptafel. Ein Bierjunge kommt in Wirklichkeit nur in der Fidulität vor und ist eigentlich nie ernst gemeint. Er dient mehr der Belebung der Kneiptafel als dem Tadel oder der Bestrafung. Von einer wirklichen Beleidigung kann man also hier normalerweise nicht sprechen. Das Präsidium entscheidet, ob der Bierjunge „zieht „oder „nicht zieht“.
Ist jemand mit „Bierjunge" beleidigt worden (ein Bierjunge aufgebrummt worden oder als Bierjunge tuschiert worden), so kann der Beleidigte das nicht einfach hinnehmen oder ignorieren, sondern muss seinen Kontrahenten fordern.
Der Bierjunge wird folgendermaßen ausgefochten:
Der Bierjunge fragt beim Präsidium an: „Ziehen Bierjungen?"
Das Präsidium antwortet: „Ziehen" oder auch „ziehen Nicht".
Nun ernennt der Bierjunge zur Entscheidung einen Burschen als Unparteiischen. Dieser Bursche lässt 3 Gläser mit Bier füllen und bestimmt ein Stichwort, das derjenige ausruft, der sein Glas als erster ausgetrunken hat. Dann beginnt mit der Biermensur:
Unparteiischer: „Sind die Paukanten da?"
Korona: „Adsunt (resp. non adsunt)!"
Unparteiischer: „Waffen ans Licht! Sind die Waffen gleich?" (Nur die beiden Gläser der Paukanten werden verglichen)
Korona: „Sunt" (resp. non sunt)!
Bei „non sunt“ lautet das Kommando
Unparteiischer: „N. N. trinkt!" (das geschieht so, dass beide Gläser gleich voll sind)
Unparteiischer: „Mein Kommando wird lauten: „Ergreift die Waffen! Setzt an! Zieht! Das Stichwort lautet …… !"
Bei vorzeitigem Trinken eines Paukanten werden auf Anordnung des Unparteiischen die Waffen getauscht! Dann erfolgt wieder das vorher angeführte Kommando. Wer zuerst ausgetrunken hat, ruft sofort das Stichwort. Danach entscheidet der Unparteiische mit Berücksichtigung der Blutung und der Nagelprobe den Sieg mit den Worten:
Unparteiischer: „Ich erkläre N. N. zum 2. Sieger und komme mit gleichem Quantum nach."
Zum 2. Sieger ist zu erklären:

1 Wer zuletzt das Stichwort sagt,
2 Wer einen Rest im Glase lässt,
3 Wer tropfenweise blutet und nachher nicht „sine, sine" sagt
4 Wer absetzt ohne auszutrinken,
5 Wer mehr als tropfenweise blutet.

Der Besiegte hat alle 3 Gläser zu zahlen. Bei Unentschiedenheit zahlt jeder sein Glas selber. Appellation an ein Biergericht ist zulässig. Damit ist der Bierjunge getilgt.

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